Dies ist ein Auszug aus Peter Gloors Blogpost: «Why I did NOT predict Donald Trump’s Electoral Win». Den ganzen Artikel lesen Sie hier.

Der berühmte Wahlbeobachter Nate Silver schrieb noch um 10.41 Uhr am Morgen des Wahltags in seinem Blog FiveThirtyEight: «Laut unserer Vorhersage anhand von Umfragen hat Clinton eine 71-prozentige Chance, die Wahl zu gewinnen. Betrachtet man Umfragen, die Wirtschaftslage und historischen Daten, hat sie eine 72-prozentige Chance, Präsidentin zu werden.» Am nächsten Morgen unterlag Hillary Clinton dem rechtspopulistischen Donald Trump.

Donald Trump ist nur der Letzte in einer langen Liste von populistischen Politikern, die die öffentliche Meinung ins Wanken gebracht und für eine Stimmung gesorgt haben, in der das «einfache» Volk sich nicht mehr traut, seine Meinung zu sagen – und somit Meinungsforscher in die Irre führt. Ich erinnere mich an einen gemeinsamen Besuch mit meinem Kollegen Manfred Vogel beim hochangesehenen Schweizer Meinungsforscher Claude Longchamp. Damals war Longchamp erschüttert über eine ähnlich aufsehenerregende Fehlprognose, in der er eine klare Ablehnung der Schweizer Volksinitiative «Gegen den Bau von Minaretten» vorhergesagt hatte. Das Schweizer Stimmvolk nahm die Initiative mit einer Mehrheit an. In meiner eigenen Social-Media-Analyse von Twitter, Facebook und Blogs, in der ich mir die sechs ehrlichen Signale der Kommunikation anschaute, sah ich eine grosse Zustimmung zur Minarett-Initiative, lange vor der Abstimmung.

Die Erklärung für den überraschenden Erfolg der Minarett-Initiative, des Brexits und von Donald Trump liegt in der Angst der «einfachen» Leute, ihre wahre Meinung in Telefonumfragen kundzutun. In einer stillen Revolution der Entrechteten lügen sie die Meinungsforscher an und geben ihre wahre Einstellung nur am Wahltag preis. Das Netzwerk, welches unsere Software «Galaxyscope» abbildet, indem es Wikipedia-Links, Blog-Links und Retweets von Twitter-Followern analysiert, bestärkt diese These. Donald Trump ist eindeutig ein Aussenseiter und Underdog des Establishments – trotz seines Milliardär-Getöses. Viele Menschen werden daher nur widerwillig den Meinungsforschern verraten, dass Trump ihr wahrer Favorit ist.

In den sozialen Netzwerken hingegen werden die «einfachen» Leute ihren Freunden sagen, was sie wirklich denken. Besser wäre es also, diese «ehrlichen Signale» auszuwerten, als sie per Telefon zu befragen. Solche Analysen sind jedoch sehr schwer und zeitaufwändig, da Social-Media-Nutzung und Popularität bestimmter Anwendungen sich von Jahr zu Jahr ändern. Konnten Facebook-Kommentare früher von jedem gelesen werden, ist dies heutzutage nicht mehr möglich. Chilenen nutzten früher vor allem Twitter, dies ist heute nicht mehr der Fall. Im Zeitalter von Snapchat, Whatsapp, WeChat, Instagram und vielen anderen End-to-End-Kommunikationstools ist es fast unmöglich, diesen Datenstrom zu sammeln und auszuwerten – ausser man ist die NSA.

Daher sollten sich Meinungsforscher darauf konzentrieren, öffentlich zugängliche Quellen, wie Google- und Wikipedia-Suchanfragen, Blogposts, Tweets, Wikipedia-Seiten und Onlineartikel zu interpretieren und die ehrlichen Signale aus dem Netzwerk zu ziehen.